Künstliches Sehen bei Endstadium-Glaukom: Netzhaut- vs. kortikale Prothesen
Fortgeschrittenes Glaukom zerstört den Sehnerv und die retinalen Ganglienzellen (RGCs), was Patienten erblinden lässt. Künstliches Sehen (visuelle Prothese) zielt darauf ab, solche Schäden zu umgehen. Die meisten bestehenden Prothesen zielen auf die Netzhaut oder den Sehnerv ab, doch bei einem Glaukom im Endstadium sind diese Wege nicht mehr vorhanden. Stattdessen erforschen Wissenschaftler Implantate, die direkt den visuellen Kortex (Gehirn) stimulieren. Dieser Artikel vergleicht innerretinale (augenbasierte) mit kortikalen (hirnbasierten) Prothesen bei Glaukom-bedingter Blindheit.
Bei Erkrankungen wie Retinitis pigmentosa oder Makuladegeneration sterben die Photorezeptoren ab, aber RGCs und Sehnerv bleiben intakt (pmc.ncbi.nlm.nih.gov) (pmc.ncbi.nlm.nih.gov). Hier funktionieren Netzhautimplantate. Zum Beispiel erhielt Argus II (ein epiretinales Implantat) im Jahr 2013 die FDA-Zulassung für Retinitis pigmentosa (pmc.ncbi.nlm.nih.gov). Diese Geräte können eine grundlegende Lichtwahrnehmung und Bewegungserkennung wiederherstellen (pmc.ncbi.nlm.nih.gov) (pmc.ncbi.nlm.nih.gov). Glaukom ist jedoch anders: Die RGCs und der Sehnerv sind zerstört, sodass ein Signal von einem Netzhautimplantat nirgendwohin gelangen kann (pubmed.ncbi.nlm.nih.gov) (pmc.ncbi.nlm.nih.gov). Bei neuartigen Tests wie der frühen ORION-Studie ist das Ziel, die „erkrankte Augenanatomie“ vollständig zu umgehen, indem elektrische Signale direkt an den visuellen Kortex des Gehirns gesendet werden (pmc.ncbi.nlm.nih.gov).
Kurz gesagt, Netzhautimplantate erfordern überlebende Netzhautneuronen und einen intakten Sehnerv (pmc.ncbi.nlm.nih.gov) (pmc.ncbi.nlm.nih.gov). Sie sind für äußere-Netzhauterkrankungen (Photorezeptorverlust) konzipiert, bei denen RGCs noch vorhanden sind (pmc.ncbi.nlm.nih.gov) (pmc.ncbi.nlm.nih.gov). Umgekehrt richten sich kortikale Implantate an Patienten mit schwerer innerretinaler Degeneration oder Sehnervenschäden (pmc.ncbi.nlm.nih.gov) (pmc.ncbi.nlm.nih.gov). Bei fortgeschrittenem Glaukom (ohne RGCs) sind kortikale Ansätze die einzig realistische prothetische Option (pmc.ncbi.nlm.nih.gov) (pmc.ncbi.nlm.nih.gov).
Innerretinale Implantate
Innerretinale Prothesen (oft als „bionische Augen“ bezeichnet) verwenden eine externe Kamera (gewöhnlich an einer Brille), um Bilder aufzunehmen und in elektrische Impulse umzuwandeln. Diese Impulse werden über ein Mikroelektroden-Array, das auf oder unter der Netzhaut platziert wird, abgegeben (pmc.ncbi.nlm.nih.gov). Epiretinale Implantate (wie Argus II) sitzen auf der Netzhautoberfläche neben den RGCs, während subretinale Implantate unter der Netzhaut zwischen den Photorezeptoren liegen. Es gibt auch suprachoroidale Designs (Elektroden zwischen Netzhaut und Sklera). In allen Fällen ist das Ziel, die verbleibenden Netzhautneuronen elektrisch zu stimulieren.
Anforderungen und Kandidaten
Kandidaten für Netzhautimplantate müssen ihre Photorezeptoren-Sehfähigkeit verloren haben, aber eine intakte innere Netzhaut (Ganglion- und Bipolarzellen) beibehalten (pmc.ncbi.nlm.nih.gov) (pmc.ncbi.nlm.nih.gov). Typische Kandidaten sind solche mit Retinitis pigmentosa im Endstadium oder geografischer Atrophie (fortgeschrittener Makuladegeneration), nicht Glaukom-Patienten. Glaukom-Patienten fehlen lebensfähige RGCs, daher können Netzhautprothesen für sie im Allgemeinen nicht funktionieren (pmc.ncbi.nlm.nih.gov) (pmc.ncbi.nlm.nih.gov).
Chirurgischer Eingriff und Risiken
Das Implantieren eines Netzhautgeräts erfordert einen vitreoretinalen Chirurgen. Eingriffe wie eine Pars-plana-Vitrektomie (Entfernung des Glaskörpers) und das Anbringen des Elektroden-Arrays sind erforderlich (www.sciencedirect.com). Im Vergleich zur Gehirnoperation ist die Netzhautoperation weniger komplex. Epiretinale Implantate sind „weniger kompliziert und [birgen] geringere Risiken während der Implantation“ als kortikale Geräte (pmc.ncbi.nlm.nih.gov). Dennoch können schwerwiegende augenbezogene Komplikationen auftreten. In einer Argus II-Studie mit 30 Patienten erlitt beispielsweise die Hälfte der Teilnehmer über einen Zeitraum von 5 Jahren geräte- oder operationsbedingte unerwünschte Ereignisse (pmc.ncbi.nlm.nih.gov). Die häufigsten Probleme waren Konjunktivalerosion (Bindehautentzündung) und okuläre Hypotonie (abnormal niedriger Augeninnendruck) (pmc.ncbi.nlm.nih.gov). Insgesamt erlitten etwa 40 % der Probanden ein schwerwiegendes unerwünschtes Ereignis (die Hälfte davon war reversibel) (pmc.ncbi.nlm.nih.gov). Systematische Übersichten bestätigen, dass epiretinale Implantate tendenziell mehr Komplikationen aufweisen als sub- oder suprachoroidale Designs (pmc.ncbi.nlm.nih.gov).
Räumliche Auflösung und Sehvermögen
Aktuelle Netzhautimplantate erzeugen ein Sehvermögen mit sehr geringer Auflösung. Zum Beispiel ist das 6×10-Array (60 Elektroden) des Argus II vergleichbar mit einer 6×10-Pixel-Kamera. In der Praxis können die meisten Probanden nur sehr grundlegende Muster von Hell und Dunkel wahrnehmen. Studien berichten, dass Benutzer epiretinaler Implantate kontrastreiche Formen lokalisieren und Bewegungen mit aktiviertem Gerät besser erkennen können (pmc.ncbi.nlm.nih.gov) (pmc.ncbi.nlm.nih.gov). In einer systematischen Übersicht verbesserte sich die Leistung bei einer hochkontrastreichen „Quadrat-Lokalisierungs“-Aufgabe um bis zu 89 % mit aktivem Implantat (pmc.ncbi.nlm.nih.gov). Dennoch bleibt die Sehschärfe mit diesen Geräten extrem schlecht – selbst die besten dokumentierten Fälle lagen in Snellen-Begriffen nur bei etwa 20/460 bis 20/550 (pmc.ncbi.nlm.nih.gov) (weit unter dem Schwellenwert von 20/200 für gesetzliche Blindheit).
Subretinale Implantate (wie das Alpha IMS/AMS-System) haben eine leicht höhere Dichte erreicht (Hunderte von Photodioden-Pixeln anstelle von Dutzenden von Elektroden). Eine aktuelle Zusammenfassung berichtete über Gittersehschärfen von bis zu 3,33 Zyklen pro Grad (entspricht etwa 20/460 Sehvermögen) und eine gewisse Fähigkeit, einfache Bewegungen und große Buchstaben zu erkennen (pmc.ncbi.nlm.nih.gov). Doch selbst diese stellen nur ein rudimentäres Sehvermögen dar.
Training und Anpassung
Benutzer von Netzhautimplantaten benötigen ein umfassendes Training und Rehabilitation, um die ungewöhnlichen visuellen Signale zu interpretieren. Patienten in klinischen Studien durchlaufen typischerweise Monate des Trainings mit Sehtrainern. Zum Beispiel wurden Argus II-Studienteilnehmer „sorgfältig ausgewählt“ und erhielten ein umfassendes Training in der Gerätenutzung (pmc.ncbi.nlm.nih.gov). Sie lernten Aufgaben wie das Lokalisieren eines hellen Quadrats, das Erkennen von Bewegungen und das Wiedererkennen grundlegender Formen. Diese förderliche Laborumgebung spiegelt jedoch möglicherweise nicht den realen Gebrauch wider; eine Studie ergab, dass kommerzielle Nutzer sich aufgrund von Usability-Problemen im Alltag oft weniger auf das Implantat verlassen (pmc.ncbi.nlm.nih.gov).
Funktionelle Ergebnisse und Lebensqualität
Selbst mit Technologie im Wert von Tausenden von Dollar ist das wiederhergestellte Sehvermögen sehr begrenzt. Realistische Ziele für Netzhautimplantate umfassen Navigation und Orientierung sowie grobe Objektlokalisierung, anstatt Lesen oder Gesichtserkennung. In den Argus II-Studien zeigten Patienten eine deutlich bessere Leistung bei Orientierungs- und Mobilitätsaufgaben mit aktiviertem Implantat (pmc.ncbi.nlm.nih.gov). Viele konnten Türen oder Fenster erkennen, hellen Linien auf dem Boden folgen und große Objekte lokalisieren. Im Alltag berichten Benutzer von Verbesserungen der Mobilität und Unabhängigkeit. Eine systematische Übersicht ergab, dass Empfänger von Netzhautimplantaten eine bessere Orientierung und Mobilität berichteten, was ihnen bei alltäglichen Aufgaben hilft (pmc.ncbi.nlm.nih.gov). Das Sehvermögen bleibt jedoch weit entfernt von normal: Studienautoren warnen, dass die Sehschärfe selbst mit dem Gerät unter 20/200 (gesetzlich blind) blieb (pmc.ncbi.nlm.nih.gov).
Kortikale Implantate
Kortikale visuelle Prothesen verfolgen einen ganz anderen Ansatz: Sie umgehen das Auge und stimulieren direkt das Gehirn. Elektroden werden auf oder in den visuellen Kortex (die Gehirnregion am Hinterkopf, die das Sehen verarbeitet) platziert. Eine externe Kamera und ein Prozessor wandeln Bilder in elektrische Stimulationsmuster um, die drahtlos an diese kortikalen Elektroden gesendet werden. Da das Signal Netzhaut und Sehnerv überspringt, funktioniert diese Methode auch dann, wenn diese Strukturen zerstört sind.
Funktionsweise
Zum Beispiel verwendet das ORION-System von Second Sight ein Elektrodenraster, das auf den Okzipitallappen des Kortex platziert wird (wodurch Phosphene – Lichtpunkte – im Gesichtsfeld des Patienten erzeugt werden) (pmc.ncbi.nlm.nih.gov). Ein weiteres Design (das Illinois ICVP) verwendet Arrays penetrierender Elektroden im Kortex (pmc.ncbi.nlm.nih.gov) (pmc.ncbi.nlm.nih.gov). In einer Studie wurde ein 96-Elektroden-Utah-Array in den visuellen Kortex eines blinden Freiwilligen implantiert. Elektrische Stimulation erzeugte dort einfache blau-weiße blinkende Punkte, die dem Gesichtsfeld folgten. Beeindruckenderweise konnte der Patient die Grenzen von Objekten unterscheiden und sogar verschiedene Buchstaben anhand ihrer Umrisse identifizieren (pmc.ncbi.nlm.nih.gov). Diese ersten Ergebnisse zeigen, dass ein kortikales Implantat tatsächlich gemusterte Vision in einem menschlichen Gehirn erzeugen kann.
Kandidatenkriterien
Kortikale Implantate sind für Menschen mit vollständiger, unbehandelbarer Blindheit und ohne nützliches Sehvermögen bestimmt. In der Praxis erfordern Studienprotokolle keine Lichtwahrnehmung in beiden Augen (www.ninds.nih.gov) (pmc.ncbi.nlm.nih.gov). Zum Beispiel akzeptiert eine Orion-Klinikstudie Patienten, die aufgrund von Schäden entlang des gesamten visuellen Pfades (Netzhauterkrankung, Sehnervenverletzung, Glaukom usw.) bilateral blind sind (kaum Lichtwahrnehmung oder schlechter) (www.ninds.nih.gov). Jedes verbleibende Sehvermögen würde jemanden disqualifizieren, da eine invasive Gehirnoperation dieses Restsehvermögen gefährden könnte (pmc.ncbi.nlm.nih.gov). Tatsächlich betonen Studien, dass Personen, die für Netzhautimplantate in Frage kommen (diejenigen mit intakter innerer Netzhaut), im Allgemeinen schlechte Kandidaten für kortikale Implantate sind (pmc.ncbi.nlm.nih.gov). Somit stellen kortikale Geräte die letzte Option zur Wiederherstellung des Sehvermögens bei vollständig blinden Personen dar.
Chirurgische Risiken
Kortikale Prothesen erfordern Neurochirurgie (Kraniotomie), um Elektroden auf dem Gehirn zu implantieren. Dies ist offensichtlich invasiver als eine Augenoperation. Potenzielle Risiken umfassen Schlaganfall, Infektion oder neurologische Schäden. In der Praxis haben kleine Machbarkeitsstudien bisher die chirurgische Sicherheit gezeigt, aber die Stichprobengrößen sind winzig. Zum Beispiel implantierte eine erste ORION-Studie ihr 60-Elektroden-Array bei sechs blinden Probanden ohne implantatbedingte schwerwiegende unerwünschte Ereignisse (pmc.ncbi.nlm.nih.gov). (Alle sechs berichteten, mit eingeschaltetem Gerät Phosphene zu sehen.) Experten warnen jedoch, dass Hirnoperationen sehr vorsichtig angegangen werden müssen, weshalb nur vollständig blinde Kandidaten in Betracht gezogen werden (pmc.ncbi.nlm.nih.gov).
Räumliche Auflösung und Sehvermögen
Die räumliche Auflösung bei kortikalen Implantaten ist derzeit ebenfalls sehr gering. Bestehende Geräte verfügen höchstens über einige Dutzend Elektroden. ORION verwendete beispielsweise 60 Elektroden auf dem Kortex (pmc.ncbi.nlm.nih.gov). Selbst mit Dutzenden von Elektroden ist das „Bild“, das ein Patient wahrnimmt, extrem körnig. In der oben erwähnten Studie mit 96 Elektroden konnten die Patienten nur sehr einfache Muster (Linien, einfache Buchstaben) wahrnehmen. Um feinere Details zu erzielen, wären Hunderte oder Tausende von Elektroden erforderlich, die über mehrere Kortexbereiche verteilt sind – eine Technologie, die für Menschen noch nicht existiert.
Das Training ist ähnlich intensiv. Wie bei Netzhautsystemen müssen kortikale Patienten lernen, ihre abnormale visuelle Eingabe zu interpretieren. Frühe Berichte deuten darauf hin, dass Patienten mit der Zeit lernen können, große Formen und Buchstaben zu erkennen, aber dies erfordert eine lange Rehabilitation. Es gibt noch keine veröffentlichten Daten zu formalen Trainingsprogrammen für kortikale Implantate, aber in Analogie zu Netzhautstudien erwarten wir, dass Jahre spezialisierten Trainings erforderlich wären, um einen praktischen Nutzen zu erzielen.
Funktionelle Ergebnisse
Noch keine kortikale Prothese hat ein annähernd normales Sehvermögen erzeugt. Bisher sind die Ziele konservativ: Navigation und Objektlokalisierung. Studien konzentrieren sich auf Aufgaben wie das Identifizieren großer heller Objekte, das Erkennen von Bewegungen und das Vermeiden von Hindernissen. Wie eine Rezension feststellte, können visuelle Prothesen am besten bei der Orientierung und Navigation helfen, Aufgaben, bei denen aktuelle Technologien für Blinde (wie Smartphone-Apps) noch Defizite aufweisen (pmc.ncbi.nlm.nih.gov). In experimentellen Umgebungen haben blinde Tiere mit Gehirnstimulationsprothesen erfolgreich Labyrinthe mit künstlichen Hinweisen navigiert. In Humanstudien erkannte der eine Patient, der Buchstaben über ORION identifizierte, nur sehr große, isolierte Zeichen (pmc.ncbi.nlm.nih.gov).
Zusammenfassend zeigen frühe Studien zu kortikalen Implantaten, dass Patienten einfache Lichtmuster wahrnehmen und diese nutzen können, um Formen oder Buchstaben zu erraten. Dies deutet auf mögliche Vorteile für Aufgaben wie das Lokalisieren von Türen oder das Finden von Kanten hin. Feine Objekterkennung (z.B. Gesichter oder Text) liegt jedoch weit außerhalb der aktuellen Möglichkeiten. Messungen der Lebensqualität für kortikale Implantate wurden noch nicht berichtet; laufende Studien planen, patientenberichtete Ergebnisse und Funktionstests (www.ninds.nih.gov) einzubeziehen, um zu sehen, ob sich Verbesserungen im täglichen Leben ergeben.
Vergleichende Zusammenfassung
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Chirurgische Komplexität: Netzhautimplantate umfassen Augenoperationen (Vitrektomie und Platzierung von Netzhautelektroden). Kortikale Implantate erfordern eine Gehirnoperation (Kraniotomie und kortikales Elektrodenarray). Epiretinale Chirurgie ist für Netzhautspezialisten recht routinemäßig, während kortikale Implantationen ein inhärent höheres neurologisches Risiko bergen. Eine aktuelle Übersicht weist darauf hin, dass selbst eine geringfügige verbleibende Sehkraft bei einer Operation am Gehirn verloren ginge (pmc.ncbi.nlm.nih.gov), was das Risiko der kortikalen Chirurgie unterstreicht.
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Räumliche Auflösung: Beide Ansätze liefern derzeit eine sehr geringe Auflösung des Sehvermögens. Netzhautgeräte verwenden in der Größenordnung von 60–150 Elektroden oder Pixeln, was nur grobe Lichtmuster erzeugt (pmc.ncbi.nlm.nih.gov) (pmc.ncbi.nlm.nih.gov). Kortikale Arrays reichen ebenfalls von Zehn bis zu wenigen Hundert. Keiner der Ansätze kann mehr als sehr grobe Formen erzeugen. Die berichtete Sehschärfe bei Netzhautgeräten überschreitet selten ~20/500 (pmc.ncbi.nlm.nih.gov). Die kortikale Sehschärfe ist noch schwieriger zu definieren, wird aber angesichts der geringen Elektrodenanzahl ähnlich niedrig erwartet.
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Training/Anpassung: Alle implantierten Patienten benötigen eine umfassende Rehabilitation. Teilnehmer an klinischen Studien erhalten ein intensives, geführtes Training, um zu lernen, wie Phosphene ihrer Umgebung entsprechen (pmc.ncbi.nlm.nih.gov). Dies gilt sowohl für Netzhaut- als auch für kortikale Implantate. In der Praxis empfinden viele Benutzer das ständige Training als belastend, was die Häufigkeit der tatsächlichen Gerätenutzung einschränken kann (pmc.ncbi.nlm.nih.gov) (pmc.ncbi.nlm.nih.gov).
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Lebensqualität: Netzhautimplantate haben einige bescheidene Vorteile für die Lebensqualität gezeigt. Benutzer berichten oft von einer verbesserten Orientierung, einer leichteren Navigation in vertrauten Räumen und Hilfe bei alltäglichen Aufgaben, die auf der Unterscheidung von Hell und Dunkel oder großen Formen beruhen (pmc.ncbi.nlm.nih.gov) (pmc.ncbi.nlm.nih.gov). Bislang hat kein kortikales Implantat eine klare Verbesserung der Lebensqualität nachgewiesen, aber Forscher beziehen Maße für die Lebensqualität und die tägliche Funktion in laufende Studien ein (pmc.ncbi.nlm.nih.gov) (www.ninds.nih.gov).
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Realistische Ergebnisse: Keiner der Ansätze wird normales Sehvermögen wiederherstellen. Patienten sollten nur sehr grundlegende, sehartige Empfindungen erwarten. Praktische Ziele umfassen das Erkennen von Türen oder Fenstern, das Unterscheiden von hellen und dunklen Räumen, das Lokalisieren großer Hindernisse oder das Erkennen sehr großer Buchstaben oder Formen. Navigation (durch einen Raum gehen, ohne gegen Objekte zu stoßen) ist ein realistischer kurzfristiger Anwendungsfall (pmc.ncbi.nlm.nih.gov) (pmc.ncbi.nlm.nih.gov). Lesen oder Gesichtserkennung bleiben jenseits der aktuellen Fähigkeiten.
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Kandidatenauswahl: In der Praxis werden Patienten, die noch potenzielle Netzhautimplantat-Kandidaten sind (mit einer intakten inneren Netzhaut), nicht für kortikale Studien ausgewählt (pmc.ncbi.nlm.nih.gov). Umgekehrt erfordern kortikale Studien Patienten mit vollständiger Blindheit (kein Restsehvermögen) aus beliebiger Ursache (einschließlich Glaukom) (www.ninds.nih.gov) (pmc.ncbi.nlm.nih.gov). Derzeit ist ein typischer kortikaler Implantatkandidat jemand, der überhaupt nicht von Netzhautgeräten profitieren kann (z.B. RGC-Schicht zerstört oder Sehnerv durchtrennt).
Zeitplan und regulatorischer Status
Die Entwicklung von Netzhautprothesen begann vor über 20 Jahren. Der Argus II (Second Sight) ist ein Meilenstein: Die FDA-Zulassung erfolgte 2013 (pmc.ncbi.nlm.nih.gov) (nach vorheriger CE-Kennzeichnung in Europa). Argus II blieb das einzige weltweit kommerziell zugelassene System, bis das Unternehmen die Produktion 2019 einstellte (pmc.ncbi.nlm.nih.gov). Etwa zur gleichen Zeit erhielten einige subretinale Geräte die CE-Zulassung in Europa – zum Beispiel die Alpha IMS (2013) und AMS (2016) Systeme (pmc.ncbi.nlm.nih.gov) – aber keines ist FDA-zugelassen. Viele Netzhautgeräte sind inzwischen eingestellt oder befinden sich im Übergang, wobei nur wenige (wie Pixiums PRIMA und das suprachoroidale Implantat von Bionic Vision) in aktuellen Studien getestet werden (pmc.ncbi.nlm.nih.gov) (pmc.ncbi.nlm.nih.gov).
Kortikale Prothesen sind in der Entwicklung deutlich früher. Das erste menschliche kortikale Implantat (Brindley-Dobelle in den 1970er Jahren) war rein experimentell. Heute hat Second Sight (jetzt Cortigent/Vivani genannt) eine neue Initiative gestartet: Ihr ORION-System begann 2017 eine frühe Machbarkeitsstudie (www.cortigent.com), und ab 2022 sind sie mit Vivani Medical fusioniert, die an einem ORION II-Upgrade arbeiten (pmc.ncbi.nlm.nih.gov). Noch kein kortikales Gerät hat eine behördliche Zulassung erhalten. Aktuelle Studien (wie die von Orion und die Illinois ICVP-Studie (pmc.ncbi.nlm.nih.gov)) sind als frühe Machbarkeitsstudien (z.B. NCT03344848) aufgeführt, mit dem Ziel, Sicherheit und Grundfunktion zu bewerten.
Wichtige Meilensteine bis heute: Argus II (Netzhaut) Studien 2007–2009, FDA-Zulassung 2013, Einstellung 2019 (pmc.ncbi.nlm.nih.gov) (pmc.ncbi.nlm.nih.gov). Alpha IMS subretinal CE 2013, aktualisiertes AMS CE 2016 (pmc.ncbi.nlm.nih.gov). Orion (kortikal) frühe Studien begannen ~2017, mit laufenden Folgestudien (noch keine Zulassungen) (pmc.ncbi.nlm.nih.gov). Bevorstehend: Phase-I-Studien anderer kortikaler Systeme (CORTIVIS in Spanien, ICVP in den USA) rekrutieren Probanden (pmc.ncbi.nlm.nih.gov) (www.ninds.nih.gov). Im nächsten Jahrzehnt hoffen Entwickler, die Elektrodenanzahl und die Gehirn-Schnittstelle zu verbessern, um die Ergebnisse zu optimieren, doch vorerst bleiben sowohl Netzhaut- als auch kortikale Prothesen hoch experimentell.
Fazit
Für die meisten Glaukom-Patienten mit Sehnervenschädigung im Endstadium sind Netzhautimplantate keine Option, da der neuronale Pfad durchtrennt ist. Kortikale visuelle Prothesen stellen somit die einzig praktikable Strategie für künstliches Sehen dar. Frühe Studien zeigen, dass kortikale Geräte einfache Lichtmuster hervorrufen können, selbst wenn das Auge blind ist (pmc.ncbi.nlm.nih.gov) (pmc.ncbi.nlm.nih.gov). Beide Ansätze bieten jedoch derzeit nur ein rudimentäres Sehvermögen. Netzhautimplantate haben eine etwas längere klinische Geschichte (einige FDA-/CE-Zulassungen bei anderen Krankheiten) und nachweisbare, wenn auch begrenzte, Verbesserungen der Mobilität und Orientierung (pmc.ncbi.nlm.nih.gov) (pmc.ncbi.nlm.nih.gov). Kortikale Implantate befinden sich im Machbarkeitsstadium: Sie umgehen den Sehnerv, müssen aber die Herausforderungen der Gehirnchirurgie, der Signalzuordnung und des Patiententrainings bewältigen. Realistische Ziele für beide Ansätze sind grundlegende Navigation und Objektlokalisierung, nicht hochdetailliertes Sehen. Zeitrahmen: Netzhautgeräte befinden sich seit 15–20 Jahren in Studien (wobei einige kommerzielle Produkte auftauchten und dann wieder verschwanden) (pmc.ncbi.nlm.nih.gov), während kortikale Systeme erst jetzt mit menschlichen Tests beginnen. Eine behördliche Zulassung in den USA/EU für kortikale Implantate ist noch Jahre entfernt.
Zusammenfassend lässt sich sagen, dass bei schwerem Glaukom ohne Sehnerv kortikale Implantate Hoffnung bieten. Patienten und Ärzte sollten jedoch die aktuellen Einschränkungen verstehen: selbst die fortschrittlichsten „bionischen Seh“-Geräte stellen nur eine Ein-/Aus-Lichtwahrnehmung und einfache Formen wieder her. Laufende Forschung zielt darauf ab, die Elektrodenanzahl zu erhöhen, die Biokompatibilität zu verbessern und die Signalverarbeitung zu verfeinern, aber derzeit wird das funktionelle Sehvermögen jeder Prothese extrem rudimentär sein. Patienten müssen realistische Erwartungen haben (z.B. eine Tür von einer Wand unterscheiden können, nicht Text lesen) und auf eine umfassende Rehabilitation vorbereitet sein. Zukünftige Meilensteine, die es zu beobachten gilt, sind der Abschluss laufender Studien zu kortikalen Implantaten und etwaige Zulassungen von Geräten der nächsten Generation.
