Gestartete Glaukom-Studien im Jahr 2025: Ein vollständiger Überblick
Einleitung: Glaukom ist weltweit eine Hauptursache für irreversible Blindheit und betraf 2020 schätzungsweise 76 Millionen Menschen (Prognose: über 100 Millionen bis 2040) (pmc.ncbi.nlm.nih.gov). Die Behandlung des Glaukoms konzentrierte sich traditionell auf die Senkung des Augeninnendrucks (IOD) mit Medikamenten oder Operationen, um den Sehverlust zu verlangsamen. In den letzten Jahren hat sich die Forschung auf neuartige Medikamentenziele, Systeme zur verzögerten Wirkstofffreisetzung, neuroprotektive Wirkstoffe und digitale Gesundheitslösungen ausgeweitet. Eine Analyse der Studienregister aus dem Jahr 2021 ergab, dass 63 % der Glaukom-Studien Behandlungsstudien waren – meist zur Prüfung medizinischer (IOD-senkender) Therapien – und nur etwa 5 % auf Neuroprotektion abzielten (pmc.ncbi.nlm.nih.gov). In diesem Jahr (2025) haben weltweit zahlreiche neue Studien begonnen, die sowohl diesen traditionellen Fokus als auch aufregende neue Richtungen widerspiegeln. Im Folgenden fassen wir ausgewählte, 2025 gestartete Studien nach Kategorien zusammen und heben deren Ziele, Interventionen, Patientengruppen, Sponsoren, Standorte und Zeitpläne hervor. Auffällige Trends und Lücken in diesen Bemühungen werden diskutiert.
Neue medikamentöse Therapien
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GLP-1-Rezeptor-Agonisten (z.B. Semaglutid): Kürzlich haben Glucagon-like Peptid-1 (GLP-1)-Agonisten – Medikamente, die bereits bei Diabetes eingesetzt werden – vielversprechende Ergebnisse in Tiermodellen für Glaukom gezeigt. Beispielsweise berichtete eine Rattenstudie aus dem Jahr 2025, dass systemisches Semaglutid die IOD-Erhöhung verzögerte und Netzhautneuronen in einem Modell für okuläre Hypertension schützte (pmc.ncbi.nlm.nih.gov). Motiviert dadurch haben dänische Forscher die „ABSALON“-Studie (NCT06792422) initiiert – eine Phase-2-Studie mit oralem Semaglutid bei Erwachsenen mit Offenwinkelglaukom. Gesponsert vom Glostrup Universitätskrankenhaus (Kopenhagen), wird diese Studie (erstmals im Januar 2025 veröffentlicht) testen, ob tägliches Semaglutid die Netzhautfunktion verbessern oder das Fortschreiten des Glaukoms verlangsamen kann (clinicaltrials.gov) (pmc.ncbi.nlm.nih.gov). Patienten mit etabliertem Offenwinkelglaukom oder okulärer Hypertension werden rekrutiert. Ergebnisse werden in den nächsten Jahren erwartet.
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Neue Augentropfen und Nahrungsergänzungsmittel: Über GLP-1-Medikamente hinaus werden weitere neuartige Verbindungen untersucht. Zum Beispiel Ophthalmische Neuro-Enhancement: Frühe Studien mit hochdosiertem Vitamin B3 (Nicotinamid, ein NAD-Vorläufer) zeigten ermutigende Netzhauteffekte. Eine kleine Studie ergab, dass 3–4 g/Tag Nicotinamid die Funktion der inneren Netzhaut bei Glaukompatienten verbesserte (pmc.ncbi.nlm.nih.gov). Darauf aufbauend sind größere Studien im Gange: Eine amerikanische Studie vergleicht verschiedene NAD-Vorläufer mit Placebo bei Glaukompatienten (Rekrutierung läuft seit Mitte 2025). Diese Studien untersuchen, ob die Steigerung des retinalen Energiestoffwechsels das Sehvermögen schützen kann (pmc.ncbi.nlm.nih.gov) (pmc.ncbi.nlm.nih.gov). Andere neue Augentropfen in Phase-1/2-Studien umfassen experimentelle IOD-senkende Wirkstoffe (z.B. neuartige Prostaglandin-Analoga, Rho-Kinase-Inhibitoren wie H-1337 oder Stickoxid-Donoren) und Verbindungen, die die Gesundheit des Sehnervs verbessern sollen. Detaillierte Ergebnisse stehen jedoch noch aus.
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Orale Medikamente: Neben Semaglutid werden weitere systemische Medikamente umfunktioniert. Forscher vergleichen orale Nahrungsergänzungsmittel und metabolische Medikamente für Glaukom. Eine geplante Studie wird beispielsweise Nicotinamid-Ribosid (eine andere Form von Vitamin B3) über zwei Jahre mit Placebo vergleichen, um zu sehen, ob es die Krankheit verlangsamt. (Eine frühere kleine Studie zeigte visuelle Verbesserungen mit Nicotinamid (pmc.ncbi.nlm.nih.gov).) Diese neuroprotektiven Strategien spiegeln einen Trend wider, sich von der alleinigen IOD-Senkung hin zur direkten Unterstützung der retinalen Ganglienzellen zu bewegen.
Implantate und Geräte zur verzögerten Wirkstofffreisetzung
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Timolol-Implantate mit verzögerter Freisetzung: Um die Adhärenz und den Komfort zu verbessern, werden neue intraokulare Implantate getestet. EyeD Pharma (Portugal) hat Studien zu TimoD initiiert, einem winzigen biologisch abbaubaren Implantat, das Timolol (ein IOD-senkendes Medikament) über Monate langsam freisetzt. Eine erste Phase-1-Studie am Menschen (bei pseudophaken Glaukompatienten) begann 2024, und eine zweite wurde Mitte 2025 aktualisiert (ichgcp.net). Eine weitere EyeD-Studie (gestartet im Juni 2025) evaluiert TimoD bei Glaukompatienten, die sich einer Kataraktoperation unterziehen; das Implantat würde vor dem Einsetzen der Linse ins Auge platziert. Diese Studien sollen zeigen, dass das Implantat sicher und gut verträglich ist, während es den IOD stetig reduziert. Bei Erfolg könnte ein einmaliger chirurgischer Eingriff tägliche Augentropfen für ein Jahr ersetzen (ichgcp.net) (ichgcp.net).
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Intravitreale Implantate: Perfuse Therapeutics entwickelt PER-001, ein winziges Pellet, das in den Glaskörper implantiert wird. PER-001 setzt langsam einen Endothelin-Rezeptor-Agonisten (einen potenten Vasokonstriktor) frei, der darauf abzielt, die Durchblutung des Sehnervs zu verbessern. In einer Phase-1/2a-Studie (n≈18) wurde ein PER-001-Implantat gut vertragen, und behandelte Augen zeigten eine bessere Durchblutung des Sehnervs und eine stabilere Gesichtsfeldstabilität als die Kontrollen. Die Phase-2a-Dosissteigerung läuft noch, mit 24-Wochen-Daten (die eine Erhöhung der Nervenblutversorgung um ca. 10 % zeigen) und Topline-Ergebnissen, die für Q2 2025 erwartet werden (www.eyeworld.org). Dies ist ein neuroprotektiver Ansatz und kein klassisches drucksenkendes Gerät.
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IOLs mit verzögerter Wirkstofffreisetzung: Sony/Lang und SpyGlass Pharma haben die Insertion von Intraokularlinsen (IOLs) erforscht, die nach einer Kataraktoperation Glaukommedikamente langsam freisetzen. Eine vorläufige Kohorte von Patienten mit kombinierter Katarakt und Glaukom erhielt eine neuartige IOL, die IOD-senkende Medikamente abgab. 18 Monate postoperativ erreichten diese Patienten eine erhebliche IOD-Reduktion (durchschnittlich ~11 mmHg Abfall) und benötigten keine topischen Augentropfen mehr (www.eyeworld.org). Im Jahr 2025 wurden keine neuen postsurgischen Studien gestartet, aber dieser Ansatz bleibt von großem Interesse.
Fortschritte in der Chirurgie und Laserbehandlung
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Mikroinvasive Glaukomchirurgie (MIGS): Obwohl viele MIGS-Geräte (Stents und Shunts) bereits zugelassen sind, gehen neue Studien weiter. Zum Beispiel findet die Excimer-Laser-Trabekulektomie (der Elios-Laser) Beachtung. Auf einer kürzlichen Konferenz zeigten Forscher, dass Elios den trabekulären Abfluss in Glaukomaugen signifikant verbesserte (www.ophthalmologytimes.com). Formelle klinische Studien zu diesem Laserverfahren (das darauf abzielt, den Abfluss nicht-invasiv zu verbessern) beginnen. Andere Gerätestudien umfassen Vergleiche von MIGS-Verfahren (Kanaloplastik, Trabekulotomie) untereinander oder mit der Standardversorgung, hauptsächlich jedoch unter Verwendung von Register-/Real-World-Daten anstatt neuer, in diesem Jahr gestarteter randomisierter Studien.
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Laser und andere Nicht-Implantat-Geräte: Abgesehen vom Excimer-Laser untersuchen mehrere kleine Studien neuartige Laser- oder Ultraschallgeräte zur Öffnung von Abflusswegen. Obwohl Details bekannt werden, gab es keine größeren Studienstarts genau im Jahr 2025, die wir identifizieren konnten. Traditionelle Argon- oder SLT-Lasertherapien bleiben ebenfalls ein Rückgrat der Glaukomversorgung.
Diagnostik und digitale Tools
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KI-basiertes Screening: Eine wichtige neue Richtung ist die Nutzung künstlicher Intelligenz zur Glaukomerkennung aus routinemäßigen Augenuntersuchungen. Eine Studie aus dem Jahr 2025 in Australien setzte beispielsweise einen KI-Algorithmus auf Netzhautfotos ein, die in allgemeinmedizinischen Praxen aufgenommen wurden. Die KI identifizierte 95 % der nicht-glaukomatösen Augen und 65 % der Glaukom-Verdachtsaugen korrekt (www.nature.com), was vielversprechend als schnelles Screening-Tool erscheint. (Die meisten falsch-positiven Ergebnisse lagen bei nur 5 %, was darauf hindeutet, dass wenige gesunde Augen fälschlicherweise als Glaukom identifiziert werden.) Im Allgemeinen nehmen KI-basierte Bildanalyse-Studien zu: Sie zielen darauf ab, Patienten zur Überweisung zu kennzeichnen, indem sie Sehnervenfotos oder OCT-Scans analysieren.
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Telemonitoring und Heimtests: In diesem Zusammenhang wird die Fernüberwachung getestet. Eine systematische Übersicht aus dem Jahr 2025 stellte fest, dass 21 Studien Heim-Tele-Glaukom-Tools evaluiert haben (pmc.ncbi.nlm.nih.gov). Dazu gehören Smartphone-Apps und tragbare Geräte für die Gesichtsfeldprüfung zu Hause (z.B. Eyecatcher, Melbourne Rapid Fields, VF-Home) sowie Heimtonometer. Die Literatur zeigt, dass diese Heimtests sehr ähnliche Ergebnisse wie klinische Tests liefern (pmc.ncbi.nlm.nih.gov). Obwohl noch nicht alle in großen Studien sind, integrieren einige laufende Studien Telemedizin in die Patientenversorgungspfade. Diese Bemühungen könnten Reisebelastungen reduzieren und das Fortschreiten früher erkennen.
Auffällige Trends und Lücken
Insgesamt spiegeln die Studien von 2025 eine Mischung aus bekannten und neuen Strategien wider. Die traditionelle IOD-Senkung bleibt verbreitet (neue Augentropfen, Timolol mit verlängerter Freisetzung usw.), aber es gibt eine bemerkenswerte Verlagerung hin zu neuroprotektiven/metabolischen Ansätzen. Das klinische Interesse an der Steigerung der Widerstandsfähigkeit retinaler Neuronen (mittels NAD-Vorläufern wie Nicotinamid oder GLP-1-Medikamenten) ist offensichtlich (pmc.ncbi.nlm.nih.gov) (pmc.ncbi.nlm.nih.gov). Wir sehen auch mehr Ansätze zur verzögerten Freisetzung und Kombination (Implantate, Injektorsysteme, Medikamente mit doppeltem Wirkmechanismus). Auch digitale Gesundheitsstudien nehmen zu, die darauf abzielen, KI und Telemonitoring für eine frühere Glaukomerkennung und -überwachung zu nutzen.
Es bleiben jedoch einige Lücken. Gen- und Zelltherapien – die bei Netzhauterkrankungen ausführlich diskutiert werden – befinden sich noch nicht in Patientenstudien für Glaukom. Es scheinen im Jahr 2025 keine neuen klinischen Studien zur Gen-Editierung (z.B. für Myocilin-Mutationen) gestartet worden zu sein. Große globale Hypertonie-Studien (die sich auf den Erhalt des Sehvermögens konzentrieren) sind ebenfalls selten, möglicherweise aufgrund der langen Zeiträume, die für Gesichtsfeld-Endpunkte erforderlich sind.
Sponsoren und Standorte: Viele Studien werden von akademischen Krankenhäusern oder Biotech-/Ophthalmologieunternehmen in Nordamerika, Europa und Asien unterstützt. Beispielsweise wird Dänemarks ABSALON-Studie vom Universitätskrankenhaus Kopenhagen durchgeführt (pmc.ncbi.nlm.nih.gov). EyeD Pharma aus Portugal sponsert die TimoD-Implantatstudien (ichgcp.net). Weitere Unternehmen, die Studien leiten, sind Qlaris Bio (USA), Santen (Japan/EU), Alcon/Novartis sowie gemeinnützige Organisationen (z.B. Moorfields/UCL in Großbritannien für Vitamin B3). Die globale Verbreitung ist breit: Studien werden in der EU, Großbritannien, den Vereinigten Staaten, Kanada, Hongkong, Korea, Australien und anderswo gestartet, was die weltweite Auswirkung des Glaukoms widerspiegelt.
Zeitpläne: Die meisten 2025 gestarteten Studien sind Frühphasen- (I/II) oder Pilotstudien, sodass die Ergebnisse Jahre dauern werden. Zum Beispiel erwartet Perfuse, dass die PER-001-Implantatstudie bis Mitte 2025 erste 24-Wochen-Daten veröffentlicht (www.eyeworld.org). Viele andere werden ein oder zwei Jahre bis zum primären Abschluss benötigen. Patienten und Kliniker sollten daher ab 2026 auf Ergebnisse achten.
Fazit
Die Welle der Glaukom-Studien im Jahr 2025 zeigt ein dynamisches Feld. Einerseits bewerten viele Studien weiterhin die IOD-Senkung – nur mit neuen Ansätzen (Implantate mit verzögerter Freisetzung, Medikamente mit dualem Wirkmechanismus, neuartige Operationstechniken). Andererseits wird zunehmend in IOD-unabhängige Strategien investiert – neuroprotektive Medikamente, metabolische Nahrungsergänzungsmittel und fortschrittliches Monitoring –, die die Glaukomversorgung verändern könnten. Patienten sollten ermutigt sein, dass eine reichhaltige Pipeline untersucht wird: Neue orale Pillen, injizierbare Implantate oder sogar KI-Diagnostika könnten in den kommenden Jahren Teil der Praxis werden. Kliniker und Forscher können diese Übersicht nutzen, um zu sehen, welche Ansätze aktiv verfolgt werden (und welche unterversorgt sind). Die Konzentration der Studien auf neuartige Pharmakologie und digitale Tools deutet darauf hin, dass dies vielversprechende Bereiche sind. Gleichzeitig zeigt das offensichtliche Fehlen von Gen- oder Stammzellstudien eine Lücke auf, die es zu schließen gilt. Insgesamt markiert 2025 ein Jahr der Erweiterung der Horizonte in der klinischen Glaukomforschung, das frische Therapien und Ansätze für diese führende Erblindungskrankheit verspricht (pmc.ncbi.nlm.nih.gov) (pmc.ncbi.nlm.nih.gov).
